Wie oft treten im Leben Schwierigkeiten auf, die wir gar nicht oder nur unter Aufbringung aller Kräfte bewältigen können. Dann fragen wir uns vielleicht, warum uns das passiert und welchen Sinn das in unserem Leben hat. Wenn die Schwierigkeiten noch ganz akut sind und wir im Augenblick keinen Ausweg erkennen können, dann ist es in der Regel äußerst schwierig, in den widrigen Umständen des Lebens einen Sinn zu erkennen. Erst wenn wir Abstand haben und später unser Leben mit all seinen Facetten in den Blick nehmen, können wir erkennen, dass es das Leben doch nicht so schlimm mit uns gemeint hat und dass sogar die unerträglichen Ereignisse für mich eine Chance zur Weiterentwicklung geboten haben.

Heute möchte ich euch erzählen, wie wichtig es ist, das, was uns im Leben so schwierig erscheint und uns gar nicht passt, ganz nüchtern zu erkennen und durch NEUES unserer Wahl zu ersetzen, damit wir wirklich den Weg im Leben gehen, der für uns stimmig ist und der uns erfüllt.

Warum erzähle ich euch das?

Weil ich mir vorstellen kann, dass ich mit den damals erlebten Schwierigkeiten durchaus nicht alleine bin, und dass es vielleicht wertvoll ist, jetzt mit einem größeren Erfahrungsschatz zurückzuschauen, auf welche Art und Weise es möglich war, solche Schwierigkeiten zu überwinden.

Zuerst hatte ich ja als junger Mann mit glücklich und gut bestandenem Elektrotechnik-Diplom an der damaligen Technischen Hochschule in Stuttgart einen Beruf erwählt, bei dem ich jedoch relativ schnell herausfand, dass er für mich eine Fehlentscheidung war:

Nämlich den Beruf eines Diplomingenieurs bei der damaligen Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft AEG. Ich merkte sehr bald, dass ich alles andere als geeignet war, als Ingenieur große Elektrotechnik-Projekte bei meinem einzigen Großkunden Daimler-Benz zu planen und zu realisieren.

Daher beendete ich meine Tätigkeit bei der AEG und begann eine relativ schnelle Ausbildung zum Berufsschul-Lehrer zu absolvieren. Dabei konnte ich rasch feststellen, dass es mir gelang, die Fähigkeit zu entwickeln, relativ schwierige Sachverhalte anschaulich, klar und verständlich zu erklären und dass ich daher einen guten Job als Berufsschul-Lehrer machen konnte.

Diese Berufs-Änderung zum Berufsschul-Lehrer war für mich eine ganz wichtige Erfahrung, nämlich den Mut zu besitzen, das NICHT-PASSENDE zu erkennen, um es loszulassen und das NEUE, das mich eher rief, zu wählen.

Obwohl ich spürte, dass ich aufgrund der geschilderten Fähigkeiten ein guter Berufsschul-Lehrer war, waren mir jedoch manche Unterrichtsstunden aufgrund einer immer schlimmer werdenden Depression zur Qual geworden.

Gott-sei-Dank war mir immer klar, dass meine Schwierigkeiten weder von meinen Schülern, noch von meinen Vorgesetzten oder dem „System“ verursacht wurden, sondern, dass ich selbst aufgrund meiner Beschwerden dafür verantwortlich war.

Jetzt, im Nachhinein, kann ich es klar erkennen: Depressionen und wachsame Präsenz schließen sich wechselseitig aus und wachsame Präsenz ist doch das A und O für eine erfolgreiche Unterrichts-Gestaltung mit einer Gruppe von fünfundzwanzig bis dreißig junger Menschen!

Zuerst rettete ich mich aus meinem jeweiligen Schulalltag in die nächstfolgenden Ferien, die ich dann immer mit meiner Familie mit Reisen, Camping, Bootstouren und vielen sportlichen Betätigungen voller Betriebsamkeit verbrachte. Jedoch gelang es mir immer weniger, mich durch meine ständige Betriebsamkeit von meiner immer stärker werdenden Depression abzulenken.

Intuitiv hielt ich mich trotz wachsender Schwierigkeiten in meinem Schulalltag an folgende Überzeugungen:

  1. Wenn ich nur einen einzigen Tag wegen meiner Depressions-Krankheit zu Hause bleibe, dann werde ich nie mehr in die Schule gehen.
  2. Die Ursachen meiner Schwierigkeiten liegen ausschließlich bei mir und nicht in den Umständen meines Berufs-Alltags.
  3. Ich werde keine Psychopharmaka einnehmen, weil ich überzeugt bin, dass diese Medikamente mir bei der Lösung meiner Probleme nicht helfen können.

Wie sehe ich das heute?

Zu 1.: Keine Krankschreibung

Ich glaube heute, dass ich mit dieser Überzeugung, mich auf keinen Fall krank zu melden, durchaus recht hatte. Wenn ich mich damals anders entschieden hätte, dann hätte ich wahrscheinlich im Folgenden nicht mehr die Kraft und die Motivation aufbringen können, meinen Schulalltag auf diese Weise fortzusetzen. So konnte ich ein Durchhaltevermögen entwickeln, das es mir erlaubte, trotz dieser Schwierigkeiten meinen Beruf fortzuführen und damit den Unterhalt meiner Familie zu sichern.

Zu  2. : Die Ursachen liegen bei mir selbst

Vielleicht war diese zweite Erkenntnis ein bisschen zu radikal, weil auch das Bildungssystem, in dem ich arbeitete und das meine Vorgesetzten zu vertreten hatten, sicherlich auch zu meinen Schwierigkeiten beigetragen hatte. Jedoch war mir das damals nicht so bewusst, wie es mir heute ist.

Die zweite Überzeugung bedeutete für mich damals, dass ich begann, die Ursachen meiner Schwierigkeiten lediglich in meinem Innenleben zu suchen und zu erforschen. So begann ich in vielen therapeutischen und Selbsterfahrungsgruppen wertvolle Erfahrungen auf der Suche nach den inneren Ursachen meiner Schwierigkeiten und nach meinem eigentlichen SELBST zu machen.

 Zu 3.: Keine Medikamente

An meiner damaligen Überzeugung zweifle ich heute. Vielleicht hätte ich mir durch die Einnahme von Medikamenten das Leben etwas leichter machen können, weil es damals für mich Lebensphasen gab, in denen nur die Liebe meiner Frau und meiner beiden Kinder mich abgehalten haben, mein Leben zu beenden. Ich weiß es nicht sicher, aber ich nehme heute an, dass ich trotzdem meine Motivation, die psychischen Ursachen meiner Depression aufzudecken und zu heilen, aufrechterhalten hätte können.

Ich habe was Medikamente betrifft meine Meinung etwas geändert, weil ich letztes Jahr durch die körperliche Qual heftiger Ischias-Schmerzen durchgehen musste, die ich mit entsprechenden Pharmaka mir einigermaßen erträglich gestalten konnte. Dennoch konnte ich letztendlich die psychischen Ursachen dieses Leidens ermitteln und heilen, jedoch zugegebenermaßen aufgrund von Erkenntnissen, die ich erst jetzt im Alter gewinnen konnte.

Zusammenfassend stelle ich heute fest:

Die inneren Qualen und Schwierigkeiten, die sich besonders in meinem Schulalltag zeigten, motivierten mich zu Schritten, die letztendlich dazu geführt haben, dass ich jetzt im Alter ein zufriedenes und immer wieder mit großer Lebensfreude erfülltes Leben führen kann.

So begab ich mich Schritt für Schritt auf die Suche nach mir selbst und auf die Suche nach Heilung, zunächst durch eine zweijährige PSYCHOANALYSE, dann durch den Besuch von Therapiegruppen, die mit der wesentlich konkreteren und anwendungsorientierten TRANSAKTIONSANALYSE arbeiteten, schließlich absolvierte ich sogar eine Ausbildung in TRANSAKTIONSANALYSE und erlebte und versuchte viele Erfahrungen in SELBSTERFAHRUNGSGRUPPEN zu verarbeiten.

Der Weg führte mich dann weiter zu einer Ausbildung als Atemtherapeut bei einem therapeutisch arbeitenden Arzt, bis ich dann selbst begann, Heilungsmethoden zu entwickeln und zunächst an mir selbst und später auch erfolgreich an zahlreichen Klientinnen und Klienten anzuwenden.

Letztes Jahr fasste ich meine jetzt jahrzehntelangen Heilungserfahrungen mit dem Verfassen einer wesentlich erweiterten Neuauflage meines Buches „Den Weg der Heilung gehen – die Ermittlung und Heilung der sieben psychischen Ursachen von Problemen und Krankheiten mit Hilfe der TENSOR-HEILMETHODE THM“ zusammen.

Jetzt wünsche ich dir auch viel Mut, für den Fall, dass es etwas NICHTPASSENDES für dich zu erkennen gibt und dass du in der Lage bist, es durch NEUES zu verändern. Vielleicht gelingt es dir auch, Leiden und Schwierigkeiten im Leben als Motivation zu sehen, dein Leben zum Besseren zu verändern.

Alles Gute

Claus

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